Zu beiden Seiten der Wasserachse – 50 Jahre Winzerla

Zu beiden Seiten der Wasserachse – 50 Jahre Winzerla

Jena Winzerla. „Zu beiden Seiten der Wasserachse“, so heißt das Buch zu 50 Jahre Winzerla. Acht Autoren widmen sich verschiedenen Themen über Winzerla. Die Geschichte über Winzerla wird anhand von einzelnen Geschichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt.

Doris Weilandt, die gleichzeitig die Redakteurin des Buches ist, startet mit einem geschichtlichen Abriss Winzerlas und stimmt in das städtebauliche Vorhaben ein, dass mit Winzerla „neue Maßstäbe im Wohnungsbau der DDR“ gesetzt werden sollten. Dr. Klaus Rasche, der sich beruflich mit dem Thema Städtebau beschäftigt, stellt den zukunftsorientierten Planungsentwurf für Winzerla und Ammerbach für 30.000 Einwohnern von 1968 im Detail vor. Geplant war eine Einschienenbahn und eine großzügige Hangbebauung. Im Buch werden verschiedene Ansichten des Entwurfs für Winzerla gezeigt. Warum es schließlich nicht dazu kam, erfährt der Leser ebenfalls im Beitrag. Rasche schließt den geschichtlichen Bogen mit einem Ausblick auf die aktuelle Situation.
Die Bebauung hatte auch ihre Schattenseite. Ein Großteil der ehemaligen Dorfbewohner war von den Bebauungsplänen betroffen, indem sie ihre Ländereien aufgeben mussten. Davon berichtet Andreas Mehlich, der dazu die Aktenlage recherchiert hat. Den städtebaulichen Fokus nimmt nochmals Doris Weilandt auf und richtet das Augenmerk auf das städtebauliche Zentrum Winzerlas – die Wasserachse. Die Autorin schreibt über die Idee und baulichen Aktivitäten an und um die Wasserachse.

Sieglinde Mörtel lässt eine ehemalige Bewohnerin der Arbeiterwohnunterkunft, indem sich heute das Hotel Best Western befindet, zu Wort kommen, die sich mit ihrem Freund ein Zimmer teilte und über die damaligen Wohnverhältnisse berichtet. Ebenfalls berichtet die Autorin in ihrem Beitrag „Plauderei mit einer Hausgemeinschaft“ über Familien, die „seit den 1970er Jahren Tür an Tür“ wohnen und einen Teil ihrer Lebenszeit zusammen verbracht haben. Die Interviewten erzählen über gemeinsame Arbeitseinsätze und über Feiern in ihrem Partykeller.
Erzählt werden auch Geschichten aus Sicht einer Fachärztin, Dr. Barbara Fleischhauer, die 1991 ihre eigene Praxis in der Max-Steenbeck-Straße eröffnete von Stephan Laudien, eines ehemaligen Wohnungsverwalters der jenawohnen GmbH, Gerhard Knorr, der die Zeit vor und nach der politischen Wende reflektiert, Pierre Reißig erzählt aus Sicht seines Unternehmens, der Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeis“ eG sowie erinnert sich Eva Bartsch an die triste Situation zum Zeitpunkt ihres Einzuges von den Autoren Stephan Laudien und Doris Weilandt).

Zwei weitere Themen des Buches sind die Flößerplastik, die so manches Abenteuer über sich ergehen lassen musste und die in die Fänge der ehemaligen Staatssicherheit der DDR kam, darüber berichtet Andreas Mehlich und die Trießnitz von Doris Weilandt, ein Ort der Geschichte geschrieben hat und nicht nur mit dem Winzerlaer Männerchor verbunden ist, sondern ein begehrtes Ausflugsziel im 19. Jahrhundert für die Jenaer Stadtgesellschaft war.

Das Thema NSU wird nicht verschwiegen. In ihrem Beitrag „Ungestörte Radikalisierung“ beschreiben die Autorinnen Katharina König-Preuss und Dorothea Marx die Zeitqualität Anfang der 1990er Jahre, die von Angst und Terror gegenüber „alternativen Jugendlichen“ seitens der Neonazis geprägt war. Ebenfalls reflektieren und rekonstruieren die Autorinnen die Bedingungen, die eine Etablierung der rechten Szene in Winzerla möglich machten.

Fast diametral dazu wirkt der Beitrag „Damit aus Fremden Freunde werden“ von Doris Weilandt, die über das Engagement der Bonhoeffer Gemeinde für die geflüchteten Menschen, die 2015 in den Stadtteil „strömten“, berichtet.
Einen Blick auf die Institutionen gibt es noch mit Markus Meß, der sich in seinem Beitrag der Entstehung und Bedeutung der beiden Kinder- und Jugendeinrichtungen Freizeitladen und dem Jugendzentrum Hugo widmet. Stephan Laudien nimmt die „Institutionen“ Bürgerverein, Ortsteilrat und Stadtteilbüro sowie ihre Protagonisten damals und heute in den Blick.

Den Abschluss bilden zwei Geschichten. Zum einen über die „Elektrische“, ihre Anbindung nach Winzerla von Stephan Laudien, zum anderen über einen prähistorischen Fund – Knochenreste eines Wollnashornes – der für einen sechswöchigen Baustopp des Heizkraftwerkes 1968 sorgte, von Sieglinde Mörtel.

Weitere Informationen!
Das Buch können Sie über den Buchhandel beziehen für 18 Euro (ISBN: 978-3-947303-24-3). Es besteht auch die Möglichkeit, das Buch im Stadtteilbüro sowie in den Service-Centern von jenawohnen für eine Spende von 10 Euro zu erwerben, vorausgesetzt diese haben in der Pandemie geöffnet! Die Spende kommt dem Stadtteil Winzerla zugute.

Last but not least: Im Vorfeld gab es eine Podiumsdiskussion, in der das Buch vorgestellt wird. Diese können Sie sich auf Youtube anschauen: Zur Buchvorstellung

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