Winterfreude und Schneechaos in Winzerla

Winterfreude und Schneechaos in Winzerla

Jena Winzerla. Hurra, endlich mal richtig Schnee! Der 12-jährige Leopold erlebte das erste Mal so eine Pracht und wie er im Freizeitladen begeistert berichtete, hielten die Schneemassen schöne Überraschungen bereit. Nicht nur, dass er mit seinem kleinen Bruder Alex schon morgens vor dem Frühstück nach draußen eilte und sogleich im Schnee versank, tags darauf versuchte er sich erstmals mit einem Snowboard. „Wir haben einfach ein Skateboard ohne Rollen genommen!“ Als Probehang wurde der Hügel im Freizeitladen genutzt, später ging es auf die alte Obstwiese oberhalb des Neubaugebietes. „Dort war plötzlich das Winzerlaer Wintersportgebiet“, sagte Michael Dietzel vom Freizeitladen. Herrlich sei das gewesen, zumal es mitten in der Pandemie die Chance bot, mal im Freien herumzutoben.
Die Schneemassen wurden für eine spezielle Lotterie genutzt: Freizeitladen-Besucher durften schätzen, wie lange ein großer, gut einen Meter hoher Schneeberg, wohl liegenbleiben würde. Die optimistischsten Schätzungen wurden auf Anfang April datiert, doch am 18. Februar war der Hügel schon 20 Zentimeter kleiner geworden. Apropos klein: Die sechsjährige Lina sagte, die Schneeberge seien nicht gut für die Hunde gewesen. Speziell für ihren „Teddy“, einen einjährigen Chihuahua. „Plötzlich war Teddy im Schnee verschwunden!“ Zum Glück ließen sich die Spuren des kleinen Kerls im Schnee gut verfolgen, Teddy ist also gleich wiedergefunden worden.
Deutlich weniger drollig ging es im Netto-Markt im „Win-Center“ zu. Hier waren in der „Schneewoche“ plötzlich die Regale leer. Wie Ortsteilbürgermeister Friedrich Wilhelm Gebhardt sagte, konnte der Markt nicht beliefert werden, weil die Zufahrtsstraße nicht ausreichend geräumt worden war. „Der Lkw-Fahrer versuchte die Pistor-Straße herunterzukommen, gab aber nach kurzer Zeit wieder auf“, sagte Gebhardt. Trotz der raschen Hilfe durch KSJ sei die – nur im Rückwärtsgang mögliche – Anlieferung gescheitert, der Lkw wieder nach Erfurt zurückgefahren. Erst nachdem die Hermann-Pistor-Straße mit einer Schneefräse bis zum Asphalt freigelegt und gestreut worden war, klappte die Belieferung. Friedrich Wilhelm Gebhardt sagte, obwohl so krasse Schneemengen nur alle zehn bis 15 Jahre auftreten, sollte dennoch eine Prioritätenliste für den Fall der Fälle erstellt werden. Gerade die Zufahrten zu Lebensmittelgeschäften sollten genauso wie Rettungswege mit hoher Priorität behandelt werden. Er könne nicht verstehen, weshalb der Jenaer Marktplatz mit hohem Aufwand freigeräumt wurde, so Gebhardt. Als Grund seien eine angemeldete Demonstration und der Grüne Markt genannt worden, das sei den Bürgern kaum zu vermitteln.
Ein solcher Bürger ist Claus Suppe, der in der Hugo-Schrade-Straße wohnt. Stocksauer sei er gewesen, sagte Suppe am Telefon. „Vor allem die Situation an den Haltestellen des Nahverkehrs ging ja gar nicht“, so Claus Suppe. Er selbst habe Hand angelegt und eine alte Dame ein Stück geführt, die mit ihrem Rollator schlicht steckengeblieben war. Er habe es als blanken Hohn empfunden, dass der Marktplatz geräumt wurde, viele Straßen und Wege im Wohngebiet Winzerla hingegen gar nicht. „Es kann doch nicht sein, dass die Hausmeisterdienste zuschauen, wie die Mieter die Wege freiräumen!“
Die Winterdienste und Hausmeister hätten selbst große Mühe gehabt, die Einsatzorte in den Wohngebieten zu erreichen, heißt es von seiten der WG „Carl Zeiss“. Zwar sei mit Schneefall gerechnet worden, keinesfalls jedoch mit der doppelt so großen Menge wie vorhergesagt. „Mit diesen Schneemassen in so kurzer Zeit haben wir ehrlicherweise nicht gerechnet“, so wörtlich in der Stellungnahme des Wohnungsunternehmens. Dennoch hätten die beauftragten Unternehmen ihr Bestes gegeben. Bis sie Herr der Lage waren, habe es jedoch mehrere Tage gedauert. „Dafür entschuldigen wir uns und bitten unsere Mitglieder um Ihr Verständnis.“ Großer Dank gelte all jenen Mitgliedern, die selbst mit Hand anlegten, um die Schneemassen zu beräumen. Zudem werde der Hinweis zahlreicher Mitglieder geprüft, wie früher Schneeschaufeln im Bestand zu verteilen.
„Jenawohnen“ teilte mit, die Schneemasssen hätten eine besondere Herausforderung dargestellt. Der Leiter des Hausmanagements Uwe Wien wird zitiert: „Die durch uns beauftragten Winterdienstfirmen konnten die Schneemassen nicht alleine bewältigen. Daher haben unsere Hausmeister hier tatkräftig unterstützt. Wir haben unser Bestes gegeben und neben Schneeschaufeln und Fräsen waren auch zwei zusätzlich ausgeliehene Radlader im Einsatz.“ Der Dank gelte jenen Mietern, die tatkräftig geholfen haben.
PS: Die Fotos auf dieser Seite sind von Lydia und Silva Schlachetka, Gino Erler, Claus Suppe und Stephan Laudien.

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