Platz am Damaschkeweg trägt den Namen Enver Şimşek

Platz am Damaschkeweg trägt den Namen Enver Şimşek

Jena Winzerla. Der Platz oberhalb der Haltestelle Damaschkeweg in Winzerla trägt den Namen „Enver- Şimşek-Platz“. Am Samstag, dem 19. September, waren zahlreiche Menschen gekommen, um Zeuge der Platzbenennung zu werden. Für den bewegendsten Moment dabei sorgte Abdulkerim Şimşek, der Sohn Enver Şimşeks. Er sprach davon, wie er als 13-Jähriger den Vater verlor, wie die Familie mit dem Verdacht leben musste, sein Vater sei in krumme Geschäfte verwickelt gewesen. „Es klingt absurd, aber ich war froh, als ich hörte, dass er von Nazis ermordet wurde!“
Enver Şimşek war das erste Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes, der Blumenhändler wurde am 9. September 2000 in Nürnberg niedergeschossen und verstarb zwei Tage später. Oberbürgermeister Thomas Nitzsche verlas die Namen der anderen neun Opfer der Mordserie und verwies auf das Versagen von Stadt, Behörden und Gesellschaft, als sich die Täter aus Jena radikalisierten. Auf dieses Versagen ging auch Ministerpräsident Bodo Ramelow ein. Es habe zehn Morde, 43 Mordversuche, 15 Raubüberfälle und drei Sprengstoffanschläge gegeben, doch niemand habe etwas gesehen. Als Lehre bleibe die Verantwortung, nicht wegzuschauen, Tätern in den Arm zu fallen! Weitere Redner waren Pastorin Friederike Costa, Ortsteilbürgermeister Friedrich-Wilhelm Gebhardt und der türkische Generalkonsul in Nürnberg, Serdar Deniz. Ein Schauspieler des Theaterhauses verlas eine Grußadresse des Bundespräsidenten. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch die Musiker Carl-Philipp Kaptain, Douglas Murdoch, Martin Zuckschwerdt (alle Posaune) und Bruno Osinski (Tuba) von der Philharmonie Jena.

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