Planungswerkstatt über anderthalb Jahre – ein Resümee

Planungswerkstatt über anderthalb Jahre – ein Resümee

Jena Winzerla. Die Planungswerkstatt zieht sich mittlerweile über anderthalb Jahre hin, der Auftakt war am 18.02.13! Mittlerweile sind wir beim 21. Entwurf angelangt, üblich sind zwei bis drei Entwürfe. Für den einen oder anderen Bürger ist das eine Zumutung über diesen langen Zeitraum dabei zu bleiben und zugleich noch den Überblick zu behalten. Auch für den Landschaftsarchitekten Holgar Ehrensberger gestaltete sich das im Nachhinein nicht immer einfach. Bereits nach der dritten Runde lagen drei Entwürfe von den Teilnehmern vor. Doch im August 2013 kam alles anders. Bis dato galt es, den Zugang zum Tunnel attraktiver zu gestalten. Aufgrund der Verkehrssituation und den waghalsigen Überquerungsmanövern der Fußgänger über die Rudolstädter Straße, wurde schließlich eine Studie mit dem Ziel, ob eine überirdische Querung möglich ist, in Auftrag gegeben. Verkehrstechnisch, bedingt durch die vier Spuren, kommt nur eine Ampel infrage. Die Ampel war dann Thema im Ortsteilrat, der sich für eine Ampel ausgesprochen hat. Letztendlich hat die Ampel, die eigentlich nur ein Teil der Planung ist, neuen Schwung positiv wie negativ in die Diskussion gebracht. Es beteiligten sich nun neue Bürger und Bürger der ersten Stunde blieben weg. Was bereits als geklärt und „beschlossen“ galt, Themen wie Parkplatz und Ampel, wurden auf’s Neue kritisch diskutiert und in Frage gestellt. Dieses neue Stimmungsbarometer führte folglich zu einigem Unmut in der Runde, insbesondere bei denen, die seit Anfang dabei waren.
In der Planungsrunde am 18. September wurden wieder Grundsatzdebatten geführt: Verschwendung von Steuergeldern, Bürgermeinungen werden ignoriert, wer entscheidet was, so lauteten einige Vorwürfe. Wir können nur daraus lernen und beim nächsten Mal den Prozess kompakter gestalten. In der Diskussion am 18. haben mir einige Bemerkungen zu denken gegeben, etwa die Motivation, sich bei solchen Prozessen zu beteiligen. Als problematisch sehe ich die Tatsache, dass die meisten Bürger erst mobil werden, wenn ihnen etwas nicht passt. So wurde es auch von einigen Teilnehmern dargestellt, die nicht von Anfang an dabei waren. Es gibt also nur Wenige, die Interesse und Zeit haben, sich von Anfang an zu beteiligen. Dann wird z.B. eine Verkehrsstudie in Auftrag gegeben, der Ortsteilrat empfiehlt den Bau der Ampel und dann wird den Interessierten, die bisher nicht die Zeit und Muße gefunden haben mitzumachen, die Tragweite der Planung bewusst und sie steigen nachträglich in den Prozess ein. Ein weiteres Phänomen ist, dass nur diejenigen kommen, die „dagegen“ sind. Diejenigen, die z. B. eine Ampel begrüßen, kommen nicht. Die Planungswerkstatt ist ein Angebot und wer es nutzt, kann mitplanen und mitbestimmen. Was sich bei dieser komplexen Planungswerkstatt gezeigt hat ist, dass im Vorfeld klare Strukturen und Regeln vereinbart werden müssen. Eine letzte Bemerkung, das Stadtteilbüro versucht die verschiedenen Interessen zu moderieren und bemüht sich um eine sachliche Diskussionskultur. Und es ist kein Entscheider!

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