Ein Audio-Walk auf den Spuren der NSU-Mörderbande

Ein Audio-Walk auf den Spuren der NSU-Mörderbande

Jena Winzerla. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, so heißt es in der „Todesfuge“ von Paul Celan. Antje Schupp, in Basel lebende Künstlerin, findet diesen Meister bei einem Stadtrundgang in Jena, auch im Stadtteil Winzerla. Schupp erhielt im Frühjahr den Jacob-Michael-Reinhold-Lenz-Preis für Dramatik für ihre Arbeit „Die mutige Mehrheit“, die sich in drei Teile gliedert. Ende Oktober gab es eine Podiumsdiskussion, Vorträge und Performance unter dem Titel „Deutschkunde 2021“, aktuell läuft der Stadtrundgang „(Un)Sichtbare Spuren“, zu erleben mit dem Smartphone, und parallel dazu eine bundesweite Postkartenaktion unter dem Titel „Die mutige Mehrheit“.
Das gesamte Kunstprojekt kreist um den NSU-Komplex, etwa um die Frage, was es bedeutet, ermordet zu werden. „Wenn man sich vor Augen führt, in welchem Alter die NSU-Opfer waren, was diese Taten für die Familien bedeuten, dann kommt einem das Grauen“, sagt Antje Schupp. In dem Audio-Walk geht es um die Spuren, die der NSU hinterlassen hat. Gleichzeitig fragt Antje Schupp immer wieder, wie wir, wie die Gesellschaft die Taten erinnert, wie wir damit umgehen. Bezeichnend die Feststellung der Künstlerin, die Reaktionen von Passanten während einer Gedenkveranstaltung für die NSU-Opfer beobachtet: Die Passanten seien gelangweilt, genervt oder gar aggressiv. Am Anfang habe eine lange, intensive Recherche gestanden, sagt Antje Schupp, die in Basel lebt und aktuell ein Projekt im brasilianischen Teresina realisiert. Heißt, sie besuchte mehrfach Jena, sprach mit Aktivisten in der Stadt, las viel über den NSU und informierte sich u. a. im Thüringer Archiv für Zeitgeschichte. Im Ergebnis entstand ein langer Text, der die Grundlage für den Stadtrundgang auf den Spuren der Mörderbande bildet. Bewusst wählte Antje Schupp die Straßenbahn, die „Tram“ wie sie sagt, als Mittel der Fortbewegung: „Für viele Menschen, insbesondere jene mit migrantischem Hintergrund, ist die Tram ein Angst-Ort“, sagt Antje Schupp. Das allein werfe Fragen auf, die die gesamte Gesellschaft betreffen, die uns alle angehen.

Einen weiteren Rundgang zum Thema NSU bietet die Gruppe „NSU-Komplex auflösen Jena“ in Winzerla an. Dieser Rundgang dauert ca. zwei Stunden und beinhaltet fünf Stationen, an denen ausgewählte Themen zum NSU-Komplex und seinen gesellschaftlichen Kontexten beleuchtet werden. Hintergrundinformationen
Buchbar ist der Rundgang für Gruppen ab 10 Personen, via nsukomplexaufloesenjena@riseup.net, Unkosten entstehen nicht.

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