Die Kandidaten für den Winzerlaer Ortsteilbürgermeister

Die Kandidaten für den Winzerlaer Ortsteilbürgermeister

Jena Winzerla. Wir interviewten alle drei Kandidaten:

Julia Langhammer (DIE LINKE). Als einen schönen Ort zum Leben bezeichnet Julia Langhammer Winzerla. Ein schöner Ort, der jedoch ein Imageproblem habe. „Doch Winzerla ist viel mehr als eine Schlafstadt“, sagt die 30-Jährige, die in Guben geboren wurde und seit 2004 in Jena lebt.Julia LanghammerSeit 2006 wohnt Julia Langhammer nun in Winzerla und dieses Jahr unternimmt sie den zweiten Anlauf, Ortsteilbürgermeisterin zu werden. „Durch meine Arbeit im Ortsteilrat konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln“, sagt Langhammer, die beim DGB in Gera arbeitet. Die Mitarbeit im Ortsteilrat habe sie gelehrt, dass Veränderungen im Stadtteil eine Teamaufgabe sind. „Der Ortsteilbürgermeister muss ein Teil des Teams sein“, sagt Langhammer. Veränderungsbedarf sieht sie an einigen Stellen im Wohngebiet. So gelte es, das Umfeld der Rewe-Kaufhalle zu gestalten. Zudem müsse ein neues Fußwege-System erstellt werden und das „leidige Parkplatzproblem“ sollte endlich gelöst werden. Ihr Wunsch für Winzerla sei ein richtiges Stadtteilzentrum, sagt Langhammer. Vielleicht mit einem Kontaktcafe, einem Treffpunkt für Jung und Alt. Die schön sanierte Schillerschule werde ja noch längst nicht richtig genutzt. Als Erfolg nennt Langhammer, die sich seit 2001 politisch engagiert, die Anbindung Winzerlas an den Öffentlichen Personennahverkehr. Das sei gut, könne aber durchaus noch besser werden, sagt die Kandidatin, die seit 2007 Mitglied bei Der Linken ist. „Warum nicht den Takt noch mehr verkürzen?“ Im jüngst verabschiedeten Nahverkehrsplan für Jena sei doch eine Experimentierklausel enthalten, die ließe sich nutzen, um weitere Angebote für Winzerla zu erproben.
Bürgerwünsche seien Richtschnur des Handelns, sagt Julia Langhammer, doch müsse abgewogen werden, ob es sich um die Interessen Einzelner oder um Dinge handelt, die Viele betreffen. Erfahrungen hat sie damit schon: Seit 2009 sitzt sie im Stadtrat, genauso lang im Winzerlaer Ortsteilrat.
Transparenter müsse die Arbeit des Ortsteilrates werden, sagt Langhammer. Warum nicht die Sitzungen thematisch ausrichten und entsprechend einladen, fragt sie. Selbst auf der Stadtteilhomepage www.winzerla.com oder in der Stadtteilzeitung sei über die Arbeit des Ortsteilrates kaum etwas zu erfahren. Das Mindeste sei wohl ein Schaukasten, um kontinuierlich über die Arbeit berichten zu können. „Wir sollten auch Stadtteilfeste nutzen, um mal einen Info-Stand aufzubauen“, schlägt Langhammer vor. Um das Image Winzerlas zu verbessern, müssten zudem mehr Informationen in Richtung Stadt gegeben werden. Die Arbeit des Ortsteilbürgermeisters von Lobeda sei da durchaus beispielgebend. Keinen Hehl macht Julia Langhammer übrigens aus ihrer Meinung, dass sie Defizite in der demokratischen Kultur in Winzerla ausgemacht habe. Im Klartext: „Es gibt viele Neonazis im Stadtteil.“ Da müsse gegengesteuert werden, auch wenn sie selbst keine Patentrezepte wisse.


Gabrielle Müller-Körlin (CDU). Seit 2013 in der CDU, Bürokauffrau in einem Jenaer Baubetrieb, verheiratet, zwei erwachsene Söhne.
„Viele Fußwege in Winzerla sind eine mittlere Katastrophe“, sagt Gabriele Müller-Körlin. Sie wolle das ändern, sagt sie. Müller-Körlin möchte in die Fußstapfen von Mario Schmauder treten. Keine Frage, Schmauder habe viel erreicht, konstatiert sie. Gabriele Müller-KörlinDennoch gebe es noch viel zu tun. So möchte sich die Kandidatin dafür einsetzen, das Columbus-Center wiederzubeleben. „Wir brauchen in Winzerla eine Drogerie, vielleicht auch ein Kinderbekleidungsgeschäft.“ Natürlich seien weder Ortsteilrat noch -bürgermeister die richtige Instanz, neue Geschäfte ins Center zu holen. Aber: „Am Leerstand verdient doch niemand.“ Vielleicht sei es möglich, den Center-Manager mal in den Ortsteilrat einzuladen.
Für sei seien die Wünsche der Bürger das Maß des Handelns, sagt Müller-Körlin, die seit 1994 in Winzerla lebt. „Ich möchte mich einbringen, den Menschen helfen, Probleme zu lösen.“ An Ideen mangelt es ihr nicht. Sie nennt den „Spielplatz der Generationen“ in Jena-Nord. Ein solch toller Treffpunkt stünde auch Winzerla gut zu Gesicht.
Eine andere Idee wäre ein Haus der Generationen in der Goetheschule zu etablieren. Wichtig sei zudem eine Bürgersprechstunde, um die Sorgen der Winzerlaer zu erfahren. Mindestens sollte ein Bürgerbriefkasten eingerichtet werden.
Ein weiteres Problem brennt Gabriele Müller-Körlin auf den Nägeln: Sie möchte sich dafür einsetzen, dass die Trinker an der Rewe-Kaufhalle verschwinden. Was das denn für ein Bild sei, gerade für Besucher. Das Gleiche gelte für Raucher auf Kinderspielplätzen: „Das sollte nicht sein!“
In der Freizeit ist Gabriele Müller-Körlin oft mit „Sydney“ in Winzerla unterwegs, ihrer Bologna-Zwetna-Hündin. Außerdem spielt sie im Akkordeon-Orchester der Musikschule Fröhlich. Sie arbeitet ehrenamtlich als Kassiererin beim FF USV Jena und zum Ausgleich im eigenen Garten unterm Jenzig.


Friedrich-Wilhelm Gebhardt (SPD).Es gebe noch sehr viel zu tun in Winzerla, sagt Friedrich-Wilhelm Gebhardt. Der SPD-Mann ist seit 2009 stellvertretender Ortsteilbürgermeister und kandidiert nun für die Nachfolge Mario Schmauders. Zu den offenen Projekten im Stadtteil zählt Gebhardt die Raumgestaltung an der Bertolt-Brecht-Straße, das Areal um das Columbus-Center sowie die Situation in der Oßmaritzer Straße. „Ich wünsche mir eine stärke Einbeziehung der Bürger“, sagt der 63-Jährige, der seit 1972 in Winzerla wohnt. Friedrich-Wilhelm GehardtDie Menschen einbeziehen und mitnehmen, das heiße etwa, die Sitzungen des Ortsteilrates transparenter zu machen, Ergebnisse und Protokolle in der Stadtteilzeitung zu veröffentlichen. Ein wichtiges Instrument seien auch Bürgerversammlungen, um Meinungen einzuholen und Ideen vorzustellen. Am Herzen liege ihm zudem eine stärke Vernetzung von Stadtteilbüro und Ortsteilbürgermeister, sagt Friedrich-Wilhelm Gebhardt. Seit 2004 sitzt er im Jenaer Stadtrat, für den er erneut kandidiert. Ohne den Einfluss des Ortsteilrates kleinreden zu wollen, müsse doch klar gesagt werden, dass die wichtigen Entscheidungen im Stadtrat fallen.
Friedrich-Wilhelm Gebhardt stammt aus Tanne im Harz. Er ist gelernter BMSR-Techniker, arbeitete bei Zeiss in Jena und später an der Sportwissenschaft der Universität. Als technischer Mitarbeiter war er daran beteiligt, die Rennschlittensportler mit dem bestmöglichen Material auszurüsten. Mit dem politischen Umbruch im Land war damit Schluss, Gebhardt wurde in den Personalrat der Universität gewählt. „Dann habe ich die ÖTV hier in Jena mit aufgebaut“, sagt er. Von 1992 bis 2000 war er als stellvertretender Geschäftsführer der ÖTV in Gera tätig. Mit Gründung der Gewerkschaft Ver.di wurde er zudem Leiter der Jenaer Geschäftsstelle. 2010 begann dann die Freizeitphase der Altersfreizeit; seit Januar 2014 ist Gebhardt nun Rentner. „Jetzt habe ich die Zeit, mich noch stärker ehrenamtlich zu engagieren“, sagt er.
Gebhardts Freizeit gehört größtenteils dem Sport. Seit 1978 nimmt er regelmäßig am Rennsteiglauf teil, Anfang der 80er Jahre lief er seinen ersten Marathon. Aktuell geht er die lange Strecke zweimal im Jahr an. Zu seinem 50. und zum 60. Geburtstag erfüllte er sich einen Traum: einmal am New-York-Marathon teilnehmen. Auf der Wunschliste steht noch Hawaii.

2 Kommentare

  1. Kerstin Lucklum - 25. Mai 2014

    Wer ist nur auf die glorreiche Idee gekommen, keine Parteizugehörigkeiten auf den heutigen Stimmzettel zu schreiben? Da man kaum jeden Kandidaten persönlich kennt, ging die große Suche los, welcher Kandidat, welche Partei.

  2. Günter Platzdasch - 26. Mai 2014

    @ Kerstin
    Das ist keine „glorreiche Idee“, sondern zwingendes Kommunalrecht, nämlich § 24 Absatz IV Satz 6 Hauptsatzung der Stadt Jena: „Der Stimmzettel enthält zu jedem zugelassenen Wahlvorschlag folgende Angaben: Name, Vorname. Die Wahlvorschläge werden in ihrer öffentlichen Bekanntmachung und auf dem Stimmzettel in alphabetischer Reihenfolge nach dem Namen der Kandidaten geordnet aufgeführt.“ Hintergrund dieser Regelung ist offenbar die Vorstellung, daß auf allerunterster Ebene das Parteibuch nicht so zählt wie anderswo und daß man hier noch weiß, welche Personen man wählt. Offenbar doch nur ein frommer Wunsch in weiten Bereichen. Und so konnte manche/r in den letzten Tagen und Wochen sonstwas als Wahlversprechen für Winzerla verkünden ohne daß die Rückfrage kam, was Kandidat/in denn dazu in abgelaufener Wahlperiode, etwa als Mitglied des Ortsteilrats oder in einer der Winzerlaer Planungswerksätten oder sonstigen Initiativen, gesagt und getan hat 😉

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