Schillerschule – Kein Ersatz für Freizeitladen!
Jena/Winzerla. Die Thüringer Sozialakademie, Träger der Kita Pusteblume, möchte das Außengelände und die Räume des Freizeitladens für die Kita nutzen. In der Grundschule stehen zwei Räume zur Verfügung, die das Kinderbüro als Domizil nutzen sollte, da dieses seit Jahren mit der Grundschule kooperiert, aber aufgrund mangelnder personeller Ressourcen nicht an die Grundschule ziehen will. Diese Räume dürfen nicht ungenutzt bleiben.
Ergo: Der Freizeitladen soll:
- in zwei kleinere Räume umziehen, ohne Außengelände, ohne Bauspielplatz, ohne Lagerfeuerstelle, ohne Lehmofen, ohne Fahrradwerkstatt und von dort aus weiterhin mit der Regelschule kooperieren.
Darüber hinaus wird das offene Angebot für die Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren wegfallen – ein infrastruktureller Einschnitt in die Lebensqualität von Winzerla, der langfristig Folgen haben wird.
Die Kinder und Jugendlichen werden ihre Freizeit verstärkt und unkontrolliert im öffentlichen Raum, in Hauseingängen, vor Einkaufszentren oder in Tiefgaragen verbringen. Denn welches Kind, dass mit dem Wechsel an die Regelschule nun zu den „Großen“ zählt, möchte seine Freizeit wieder in der Grundschule verbringen? Oder anders gesagt, weil Schule vormittags als strukturierter, bewertender und reglementierender Ort erlebt wird, werden die Schüler diesen Ort am Nachmittag innerlich nicht anders für sich interpretieren.
Es gilt zu befürchten, sie werden ihn gar nicht erst für ihre Freizeit nutzen. Dies befürchtete damals auch Lindner und empfahl, in der nächsten Jenaer Kinder- und Jugendstudie zu prüfen, ob die Kinder und Jugendlichen auch nach der Schule, am Wochenende und in den Ferien in der Schule zur Freizeitgestaltung ankommen würden.
Hiervon ist auszugehen, weil die bisher gewachsene Kooperation mit der Regelschule stattfand, und weil der oben beschriebene Prozess der Verortung an Schule mit der Grundschule bisher nie thematisiert, geschweige denn aufgrund der unterschiedlichen Zielgruppe, in Angriff genommen wurde.
Sozialdezernent Frank Schenker äußerte sich im Mai 2009 in der Stadtteilzeitung Winzerla zum „Lindnerkonzept “ wie folgt: „Wir machen uns Gedanken über die Gruppe der Kinder, die nicht mehr in den Hort gehen und die nach einer neuen Orientierung suchen, also die Gruppe der 10- bis 14-jährigen. Es geht darum, die Regelschule auszubauen und die außerschulischen Angebote weiter zu entwickeln.”
Dieser Handlungsmaxime wird mit der Erwägung des Umzugs des Freizeitladens von der Schrödingerstraße in die Grundschule in keiner Weise Rechnung getragen. Geschweige denn, dass man von einem Ausbau der Regelschule und der außerschulischen Angebote reden kann.
Mit der bisherigen Fachdiskussion zu Bildungslandschaften wurde Jena seiner Vorreiterrolle erneut als „Leuchtturm“ gerecht. Die derzeitigen Ergebnisse sollten aber schnellstmöglich überdacht und revidiert werden, da sie erhebliche Schatten auf den Leuchtturm Jena werfen. Es werden nicht nur bisherige Kooperationen ignoriert, sondern auch die Zielgruppen so vertauscht, dass es keine Synergieeffekte geben wird. Und es werden Entscheidungen getroffen, die die Infrastruktur in Winzerla bezüglich der Betreuung und außerschulischen Bildung für Heranwachsende erheblich schwächt.
Hintergrund: Freizeitladen Winzerla – Verlierer der Bildungslandschaften?
Petition zeichnen: KLICK
Autor des Beitrages: Team Freizeitladen