Einkaufsmöglichkeiten trotz Aldi-Schließung für hilfebedürftige Menschen
Die „Winzerla-Linie“ könnte Entlastung bringen
Der Verein „Radeln ohne Alter Jena“ würde Rikscha-Fahrten zum Supermarkt anbieten
Wegen größerer Umbauarbeiten schließt der „Aldi“-Markt in der Oßmaritzer Straße zum 25. April für voraussichtlich sechs Monate. Die Fleischerei, der Bäcker (schließt am 10.04.) und der Blumenladen schließen ebenfalls. Das stellt die Anwohner, insbesondere ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität, vor echte Herausforderungen. Es gilt, Ideen zu entwickeln, welche Alternativen sich finden lassen, um die Zeit bis zur Wiedereröffnung im Herbst zu überbrücken. Markus Meß vom Stadtteilbüro appelliert an die Anwohner, sich miteinander abzustimmen und beispielsweise den Wocheneinkauf für die Nachbarn mit zu übernehmen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, eine Rikscha-Linie einzurichten. Die Linie könnte jeden Freitag zwischen der Sitzbank in der Oßmaritzer Straße und dem „Netto“-Markt im Win-Center verkehren. Die Zielgruppe sind Menschen, die mobil eingeschränkt sind, nicht über ein Auto oder hilfsbereite Nachbarn verfügen. Bedienen könnte die „Linie“ der Verein „Radeln ohne Alter Jena“, der in Winzerla schon zur 700-Jahrfeier aktiv war. Ulrike Hillebrand vom Verein sagt, zunächst müsse der Bedarf ausgelotet werden: Wer würde das Angebot nutzen? Wie viele Interessenten gibt es? Welche Zeiten würden passen?
Eine erste Fahrt ist für den 8. Mai geplant, wenn es genügend Interessenten gibt, könnte die Rikscha-Tour jeden Freitag angeboten werden. „Ein großer Wochenendeinkauf lässt sich mit der Rikscha nicht bewältigen“, sagt Ulrike Hillebrand. Es können immer zwei Personen mitfahren und es ist Platz für je einen Einkaufsbeutel oder eine Tasche. Die Idee des Vereins, der seit 2025 nicht mehr unter dem Dach der Bürgerstiftung agiert, ist es, Menschen mit eingeschränkter Mobilität Teilhabe zu ermöglichen. Es gibt Kooperationen mit den Seniorenheimen in der Stadt, die regelmäßige Ausfahrten mit den Rikschas anbieten. Außerdem können Sonderfahrten vereinbart werden, etwa zu runden Geburtstagen oder Ehejubiläen. „Wir können Orte wie das Paradies in Jena anfahren, die mit dem Auto nicht erreichbar sind“, sagt Ulrike Hillebrand. Ermöglicht werden die Fahrten durch ein stetig anwachsendes Heer von Freiwilligen, denn alle Leistungen basieren auf ehrenamtlichem Engagement. Die Fahrten sind kostenlos, wer mag, kann an den Verein spenden. Für Winzerla kann sich Ulrike Hillebrand vorstellen, dass sich Fahrer aus dem Wohngebiet melden, um das Freitagsangebot sicherzustellen. Die Rikschas sind alle mit E-Motor ausgestattet und lassen sich einfacher fahren als es zunächst aussieht, sagt Hillebrand. Wer sich ehrenamtlich als Fahrer engagieren möchte, muss zunächst eine Schulung absolvieren. Geübt wird das Fahren am Berg, über eine Bordsteinkante und auch das langsame Fahren. Zudem wird gezeigt, wie die Fahrgäste angeschnallt werden und wie sie zur Winterszeit problemlos in den wärmenden Fußsack schlüpfen können. Wer privat eine Fahrt buchen möchte, wendet sich via Homepage an den Verein All jene, die sich für die „Winzerla-Linie“ interessieren, melden sich bitte im Stadtteilbüro, Telefon 354570. (Autor: Stephan Laudien)
Weitere Angebote zur Nahversorgung während der „Aldi-Schließung“
Wir vom Stadtteilbüro Winzerla haben uns Gedanken gemacht, welche Möglichkeiten es gibt, die Nahversorgung der Menschen sicherzustellen, die bislang den „Aldi“-Markt und die anderen Geschäfte im Areal genutzt haben. Hier ein paar Ideen dazu. Das wirksamste bleibt die praktische Nachbarschaftshilfe. Wer selbst noch mobil ist, etwa mit dem Auto, kann jenen helfen, die es nicht mehr ohne weiteres schaffen, einkaufen zu gehen.
Die von den Krankenkassen geförderte Nachbarschaftshilfe bei Vorhandensein einer Pflegestufe ist eine weitere Möglichkeit. Am 6. Mai findet dazu eine Informationsveranstaltung von ThINKA Jena Winzerla statt, in der Zeit von 16 bis 18 Uhr im Jugendzentrum „Hugo“. Vielleicht finden sich dabei Paare von Menschen, die helfen können und die Hilfe benötigen. Außerdem haben wir folgende praktische Möglichkeiten recherchiert, um den Zeitraum der Bauzeit zu überbrücken:
Der Getränkekeller in Drackendorf würde Getränke in Kästen, aber auch Einzelflaschen direkt an die Wohnungstür in Winzerla bringen, hierbei ist die telefonische Bestellung nötig, Telefon 363128, die Konditionen bitte am Telefon erfragen.
Wer größere Einkäufe nach Hause gebracht haben möchte, kann hier auf die Dienste von „Rewe Stützer“ oder „Lieferando“ zurückgreifen. Diese Dienste müssen jedoch per Smartphone oder ein anderes mobiles Gerät bestellt werden. Um diese Hürde zu überwinden, bietet das Projekt „Wohnexpress“ an, nach telefonischer Absprache mit einem ehrenamtlichen Helfer zu den Interessierten nach Hause zu kommen und gemeinsam zu bestellen. Unterstützt wird das von „jenawohnen“ durch die Spende eines Tablets. Weitere Ideen und Vorschläge sind willkommen. (Autor: Markus Meß)