Vom Gedenken und Begegnen – Reflexion Auschwitz-Fahrt des Freizeitladens

Vom Gedenken und Begegnen – Reflexion Auschwitz-Fahrt des Freizeitladens

Jena Winzerla. Eine Tradition in der Arbeit des Freizeitladens ist die Gedenkstättenfahrt mit Winzerlaer Schülern nach Auschwitz. Was hat Auschwitz mit mir und heute zu tun? Diese Frage überschrieb die diesjährige Fahrt von elf Jugendlichen und ihren Begleitern. Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns der Vergangenheit gestellt. Wir haben uns die Stadt Oswiecim angesehen und viel über ihre jüdisch geprägte Geschichte erfahren. An vielen Stellen bereicherten Zeitzeugen und ihr Vermächtnis unsere Auseinandersetzung. Von Büchern, Geschichten, Kunstausstellungen, Gedichten und Zitaten sprachen ehemalige Häftlinge zu uns. Die Führung von sechs Stunden durch Auschwitz-,  Stammlager und Birkenau offenbarte uns eine Flut von Informationen über das Leben und Sterben an diesem Ort. Erst über das Element der Zeit also dem Zeit-haben zur individuellen Auseinandersetzung kann dieser Flut von Informationen im Ansatz ein Verstehen folgen. „Wie kam es dazu?“ „… Wie konnten Menschen so grausam sein?“ „… wie konnten Menschen mit dem Erlebten jemals fertig werden?“ „Warum haben sich die Menschen nicht gewehrt?“  Solche und unendlich viele ähnliche Fragen der Gruppe zeugen vom Versuch, sich auseinander zu setzen mit dem Gesehenen. In den Reflexionen haben wir uns damit auseinandergesetzt, was das Gesehene in uns auslöst und wie wir damit umgehen. In einer kreativen Reflexion entstanden persönliche Kunstwerke des Gedenkens. Neben all der Schwere des Themas ist die Begegnung eines der wichtigsten Elemente der Fahrt. Viele der jungen Menschen waren noch nie zuvor in Polen. Beim Einkauf bei Biedronka, dem ansässigen Supermarkt oder im Fastfood Restaurant entstand alltägliche Begegnung. Thematisch deutlich passender war allerdings eine Begegnung mit einer jüdischen Gruppe mitten in Birkenau. Durch Zufall kamen wir ins Gespräch. Einer der Betreuer der israelischen Gruppe berichtete, dass er schon mal als Basketballer in Deutschland spielte und u. a. schon gegen Sience City Jena spielte. Überrascht von dem Zufall dieser Gemeinsamkeit berichtete er von seiner Kollegin, ebenfalls aus Israel. Daraufhin berichtete eben diese Frau, dass auch sie Jena kenne, da ihr Ehemann vor einiger Zeit in Jena arbeitete. So kam es, dass eine deutsche und eine israelische Gruppe durch Auschwitz-Birkenau gingen, mit dem Wissen, dass es zwischen uns mehr Verbindendes als Trennendes gab. 

Autor: Michael Dietzel (Freizeitladen)
 

über den Autor

Ich arbeite im Stadtteilbüro und schreibe Beiträge für und über Winzerla.

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