Seit 1810 wird in Winzerla Männergesang gepflegt

Seit 1810 wird in Winzerla Männergesang gepflegt
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Jena Winzerla. „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“, so lautet das Motto des Winzerlaer Männerchores. Wobei klar gesagt sei, dass der Gesang aktuell an erster Stelle steht. Wie es in früheren Zeiten gewesen sein mag, das liegt im Dunkel der Geschichte. Und an dieser wird schon ziemlich lange geschrieben: „Männerchor Winzerla von 1810“, so lautet der offizielle Titel des Chores.
Es sind gestandene Männer, die sich jeden Donnerstag ab 18.30 Uhr im Gasthaus „Zur Weintraube“ versammeln, um gemeinsam zu singen, neue Lieder einzustudieren und zu proben. Die musikalische Leitung hat dabei einer der jüngsten inne: Seit dem 1. Mai 2016 steht Karsten Puffe am Dirigentenpult. Der 50-jährige Software-Entwickler kam als Sänger zum Chor und übernahm voriges Jahr den Taktstock von Monika Herold. Die Musikpädagogin hatte den Männerchor fünf Jahre lang musikalisch geleitet – die erste Frau unter lauter Männern!
„Der Donnerstag ist unser Abend“, sagt Egon Dummer. Der 75-jährige Winzerlaer aus alteingesessener Familie singt seit 1996 im Chor mit, seit 1998 verwaltet er zudem als Schatzmeister die Finanzen der Sangesbrüder. Immer wieder sei er gedrängt worden, in den Chor einzutreten, erinnert sich Dummer. Schließlich seien seine Onkel alle im Chor gewesen, das Singen faktisch Familientradition. Doch Dummer musste bis zur Rente warten, der Chorgesang sei mit Schichtarbeit nur schwer zu vereinbaren, sagt er.
Das Repertoire des Männerchores ist reich gefächert: Es reicht von Volks- und Heimatliedern über Gospel bis hin zu geistlichen Liedern. „Wir haben Lieder von Silcher im Programm, von Schubert, Mozart und Bach“, sagt Karsten Puffe. Voraussetzung sei, dass es eine Bearbeitung für Männerchor gibt. Ansonsten richtet sich das Repertoire nach den Auftritten: Der Chor singt in Kirchen, bei Festen wie dem Winzerlaer Nikolausmarkt oder bei runden Geburtstagen von Chormitgliedern. Aktuell wird „La Montanara“ geprobt: in der Originaltonart und auf Italienisch.
Zu den regelmäßigen Auftritten gehören das Winzerlaer Maibaumsetzen, das Parksingen im Goethe-Park in Drackendorf und das Adventssingen in der Goethe-Galerie. Der nächste Auftritt wird am 8. April im Speiseraum der TEAG sein, anlässlich des 207. Stiftungsfestes. Gäste seien willkommen, sagt Egon Dummer.
Die Stiftungsurkunde des Männerchores trägt das Datum 1. Februar 1810. Es war der „Cantor“ Heinrich Christoph Hecker aus Burgau, der den Chor gründete. Seitdem hat er wechselvolle Zeiten erlebt: eine Flaute um die Jahre 1860 bis 1870, Stillstand in den Jahren der beiden Weltkriege, aber auch Hochzeiten, als es bis zu 60 aktive Sänger gab. Heute sind es 32 Männer, die bei Auftritten auf der Bühne stehen. Wie Karsten Puffe sagt, sollten von jeder Stimme mindestens fünf Sänger dabei sein, also zehn Tenor- und zehn Bassstimmen. Hinzu kommen die beiden Solisten Franz Pretsch und Joachim Vogel, jedoch keine instrumentelle Begleitung: Gesungen wird stets „a cappella“.
Karsten Puffe ist 50, Egon Dummer 75. Der älteste aktive Sänger – es gibt darüber hinaus nicht mehr aktive Mitglieder, Ehren- und Förder-Mitglieder – feiert dieses Jahr seinen 82. Geburtstag. Damit ist ein wunder Punkt angerissen: Der Altersschnitt des Winzerlaer Männerchores liegt bei 70 Jahren. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Mitbringen müssen sie nur die Freude am gemeinsamen Singen – selbst Notenkenntnisse sind nicht notwendig. „Wer neugierig ist, der kann bei uns einfach mal reinschnuppern“, sagt Karsten Puffe. Die Männer nehmen Neulinge mit offenen Armen auf: Schließlich soll die Geschichte des Männerchores Winzerla von 1810 noch viele Jahre fortgeschrieben werden.

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