Buchlesung „Der lange Schatten“ und Zeitzeugengespräche

Buchlesung „Der lange Schatten“ und Zeitzeugengespräche

Jena Winzerla. „Ich habe meinen Frieden mit der DDR gemacht, ja, das kann man schon so sagen!“ Rüdiger Grunow lächelt. Der 79-jährige Closewitzer hat viel erlebt und kann vieles erzählen. Von zahllosen Karnevalssitzungen, von Auftritten mit dem Kabarett „Die Jenaer Spaßvögel“ oder vom Sport – Grunow war Läufer, besonders die langen Kanten lagen ihm. Dennoch gab es einen Bruch in seiner Biografie: Im Jahr 1958 wurde er mit ein paar Kommilitonen von der Uni weg verhaftet. Eine Flugblattaktion und Verbindungen zum Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) in Westberlin wurden der Gruppe zum Verhängnis. Rüdiger Grunow wurde zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Und heute urteilt er altersmilde: „Wir hatten ja tatsächlich gegen geltendes Recht verstoßen.“ Freilich, die Höhe der Strafe habe in keinem Verhältnis zur Tat gestanden. Grunow, damals 19 Jahre alt, verbüßte vier Jahre seiner Strafe im Zuchthaus Waldheim. „Damit habe ich die Armeezeit und zweieinhalb Jahre Lehrzeit gespart“, sagt er und lacht. In der Tat habe er Glück gehabt, weil Heinz Säuberlich, zuvor Torhüter bei Motor Dessau, ihn unter seine Fittiche nahm. Grunow lernte an der Drehmaschine und wurde sogar Meister. Gearbeitet wurde in der Werkzeugmaschinenfabrik (Wema) Union Gera, Außenstelle Waldheim. Im Jahr 1962 wurde Rüdiger Grunow entlassen. Er fing als Hilfsarbeiter bei Zeiss in Jena an, wurde Meister und studierte dann, promovierte sogar. Die Familie hielt ihn in der DDR – und er fand sein Refugium bei den Kabarett-Auftritten.
Über sein Leben hat Rüdiger Grunow ein Buch geschrieben. Er, dessen Großvater Oberkorrektor in der Reichsdruckerei Berlin war, dessen Vater Ernst Bücher schrieb, hat wohl das Talent geerbt. 2016 erschien das autobiografisch gefärbte Buch „Der lange Schatten“. Nun, drei Jahre später und im 30. Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer, wird Rüdiger Grunow in Winzerla daraus lesen.

Ebenfalls werden die Zeitzeugen Claus Suppe und Baldur Haase mit dabei sein und über Erlebtes berichten.

Auf Einladung des Stadtteilbüros ist er am 9. Mai ab 18 Uhr in der Aula der „Galileo“-Schule zu Gast.

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