Rückblick Erzählcafé mit Hoshin Scheik Zen

Rückblick Erzählcafé mit Hoshin Scheik Zen

Jena Winzerla. Hoshin Zen ist 28 Jahre alt, Kurde und in Quamishli, nahe der türkischen Grenze aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte er französische Literatur in Latakia. Auf die Frage warum er dieses Fach wählte, erzählte er eine bizarre und zugleich kuriose Geschichte aus der Schulzeit. Eine freie Wahl, welche Fremdsprache sie lernen bestand nicht wirklich. „Wir mussten Zettel ziehen, auf dem einen stand ein ‚E‘ für Englisch oder ‚F‘ für Französisch. An dem Tag als gewählt wurde war ich krank. Nächsten Tag musste ich zum Direktor und zog einen Zettel den der Direktor mir abnahm. Ich sah, dass ein „E“ auf dem Zettel stand und der Direktor sagte, aha ein „F“ und zeigte es seiner Stellvertreterin, die es mit Ja, ein ‚F‘ bestätigte“. Hoshin bemerkte hierzu, dass die Französisch-Klasse noch Schüler brauchte und er zwangsverpflichtet wurde. Auch die Auswahl des Studienfaches ließ keine großen Freiheiten zu und richtete sich nach der Abiturnote. Das Studium konnte er nicht beenden. Der IS bzw. die al-Nusra-Front kontrollierten bereits Strecken von seiner Heimatstadt zu seinem Studienort.
Er begab sich dann 2012 auf die Flucht. Seine Eltern sind bereits 2009 mit einem Sohn nach Bulgarien geflüchtet. Hintergrund war, dass sein Vater unter Repressalien des Assad-Regimes litt und öfters von der Geheimpolizei abgeholt wurde. Auslöser war ein Fußballspiel 2004, wo es zu Übergriffen der arabischen und kurdischen Fans kam und die syrische Polizei scharfe Munition gegen die Kurden einsetzte. Das Ereignis wurde als Anlass genommen, Kurden zu verfolgen, so erlitt auch sein Vater dieses Schicksal. Die Kurden wurden als Nationalität in Syrien nicht anerkannt. Dass die Kurden um ihre Unabhängigkeit und einen eigenen kurdischen Staat kämpfen, ist nachvollziehbar. Es beruht auf einer bewussten Ignoranz des Volkes seitens der syrischen Regierung.
Hoshin flüchtete in den Irak, wo er in einer Bäckerei und dann auf dem Bau als Hilfsarbeiter tätig war, um das nötige Geld für sein Weiterkommen zu verdienen. Vom Irak ging es wieder zurück nach Syrien und dann in die Türkei. Der abenteuerliche Weg beinhaltete auch das Anheuern von Schleppern. Von der Türkei trat er dann eine strapaziöse „Reise“ nach Deutschland über Bulgarien, wo er Bekanntschaft mit korrupten Polizisten machte uns sich freikaufte, Serbien, Ungarn und Österreich an.

über den Autor

Ich arbeite im Stadtteilbüro und schreibe Beiträge für und über Winzerla.

Schreiben Sie eine Antwort

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.