Mit Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) im Gespräch über Winzerla

Mit Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) im Gespräch über Winzerla

Jena Winzerla. Seit dem 1. Juli amtiert Thomas Nitzsche als Oberbürgermeister der Stadt Jena. Nitzsche wurde 1975 in Zeulenroda geboren, er besuchte u. a. das Zeiss-Gymnasium in Jena und studierte Anglistik und Politikwissenschaften an der FSU. In Jena promovierte über den Spanier Salvador de Madariaga, einen Diplomaten und Schriftsteller. Thomas Nitzsche ist stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer FDP, verheiratet und Vater zweier Kinder. Vor seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister arbeitete Thomas Nitzsche als Fachreferent in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena. Wir befragten ihn für die Stadtteilzeitung.

Herr Oberbürgermeister, welches Standing, welchen Stellenwert hat das Großwohngebiet Winzerla für Sie?

Für mich sind alle Stadtteile wichtig, aber Winzerla ist – genau wie Lobeda – allein durch seine Größe faktisch systemrelevant für unsere Stadt.

Wie drückt sich diese „Systemrelevanz“ in städtebaulicher Hinsicht aus?

Es ist gut, dass Nachwendeentwicklungen wie Abriss angehalten worden sind; ich denke, die großen Dinge in Sachen Stadtentwicklung sind erledigt. Was aktuell passiert ist Verschönerung, ich denke da unter anderem an die Fassadengestaltung, die jüngst übergeben wurde.
Neubauten wird es im Wohngebiet wohl nicht mehr geben, wir haben dort ja einen großen Wohnungsbestand, der als eine Art natürlicher Puffer für die Mietpreisentwicklung in der Stadt wirkt.

In manchen Straßen wohnen sehr viele ältere Menschen, Stichwort Erstbezug. Wie wollen Sie, wie will die Stadt darauf reagieren?

Vorrangig ist es Sache der Wohnungsunternehmen, die ihren Mietern etwa Hilfe beim Umzug anbieten, auch passende Wohnungszuschnitte, also etwa für Single-Haushalte, wenn einer der Partner verstirbt. Ich sehe zudem Potenzial bei gemischten Wohnformen, wenn zum Beispiel – wie in Zwätzen – altersgerechte Wohnungen in einem Gebäude mit einer Kita angeboten werden. Das sind meines Erachtens Wohnformen, die wir in Zukunft benötigen. Die Stadt hilft den Wohnungsunternehmen, etwa wenn es gilt, geeignete Flächen zu finden. Betrieben werden solche Häuser meist von Drittanbietern wie dem DRK. Generell unterstützen wir Senioren auch, indem wir uns für Barrierefreiheit in der Stadt einsetzen. Da gibt es einerseits Vorgaben, es ist aber auch unser eigenes Anliegen.

Apropos Flächensuche. Der Ortsteilrat Winzerla befürwortet es, Flächen am „Hahnengrund“ als Bauland für Familien umzuwidmen. Aktuell werden diese Flächen für Labore und Forschungseinrichtungen vorgehalten.

In der Öffentlichkeit ist der Ruf nach Wohnungen laut vernehmbar. Noch viel lauter ist aber der Ruf nach geeigneten Gewerbeflächen und Flächen für Forschungseinrichtungen sind sogar noch wichtiger. Eine Umwidmung in Bauland für private Bauherren wäre da der falsche Weg.

Eine weitere Herzensangelegenheit speziell für den Ortsteilbürgermeister ist ein Bürger- oder Stadtteilzentrum für Winzerla, ähnlich dem „Lisa“ in Lobeda. Wie stehen Sie zu diesen Plänen?

Meines Wissens steht dieses Zentrum auf der Investitionsliste der Stadt, allerdings nicht auf einem der vorderen Plätze. Ich sehe, dass der Bedarf da ist, aber es ist eine Frage des Geldes und der Kapazität. Wir stoßen da mit dem Eigenbetrieb KIJ an planerische und finanzielle Grenzen.

Schön wäre, wenn Sie wenigstens einen ungefähren Zeitraum für die Realisierung nennen würden, Ortsteilbürgermeister Gebhardt spricht von einer „Vision“…

Ich habe auch eine Vision, aber eine Vision für die gesamte Stadt, kann im Moment in dieser Sache keinen Termin nennen. Aber der Investitionsplan ist ja keineswegs in Stein gemeißelt, will sagen, wenn sich politische Mehrheiten dafür finden, können manche Dinge durchaus vorgezogen werden.

Interview: Stephan Laudien

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