Fatima Alkhalluf: willensstark, abenteuerlustig, traditionell

Fatima Alkhalluf: willensstark, abenteuerlustig, traditionell

Jena Winzerla. Am 13. März berichtete Fatima Alkhalluf im Erzählcafé aus ihrem Leben. Sie ist 23 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und kommt aus Tiesien in Syrien, einem Stadtteil mit dörflicher Struktur von ca. 13.000 Einwohnern, der zu Hama gehört. Ein typisches Bild von Hama sind die riesigen Wasserräder aus römischer Zeit, ein Bewässerungssystem zum Anbau von Obst und Gemüse. Mit dem Anbau von Gemüse hat sich auch ihre Familie den Lebensunterhalt verdient. Sie lebte bis zur Flucht 2014 mit ihren Eltern und ihren sechs Geschwistern in Tiesien. Ein neues Zuhause findet die Familie in der Türkei, in Antalya. In der Türkei heiratet sie und beschließt nach anderthalb Jahren mit ihrem Mann nach Europa überzusiedeln. Wie sie sagt war es „eine spontane Idee. Ich wollte als Kind immer schon reisen, weg von Syrien um andere Kulturen kennenzulernen.“ Es war ihre erste alleinige Entscheidung und innerhalb einer Woche sind die schwangere Fatima und ihr Mann Ibrahim in Deutschland. Für andere ist diese „Reise“ eine angstbesetzte Flucht, für Fatima ein Abenteuer. Eine Woche? Ohne Geld für Schlepper, Grenzkontrollen und Ausweisungen? Ein syrischer Zuhörer bestätigt das, es gab um Weihnachten 2015 ein kleines Zeitfenster von 14 Tagen, in dem es ohne Probleme möglich war die Grenzen ohne Repressalien und Gefahr für Leib und Leben zu passieren. Die Ankunft in Deutschland gestaltete sich ebenfalls unkompliziert, nach Flüchtlingsunterkünften in Hermsdorf, Eisenberg, Mühlhausen und nach sechs Monaten in Jena bekommt sie eine Wohnung in Winzerla. Die neue Kultur in Deutschland ist ungewohnt, der Bürokratismus, die vielen Papiere oder Verabredungen, das ist ihr ebenfalls fremd. Wenn jemand zu ihr nach Hause kommt, dann ist er immer willkommen, ohne Einladung oder „Termin“. „Man kann hier nicht spontan sein, man muss immer für zwei Wochen im Voraus planen.“ Für Fatima spielt auch der Glauben eine wichtige Rolle, sie trägt bewusst ein Kopftuch, eine Art Identität, die sie sich bewahren will.

über den Autor

Ich arbeite im Stadtteilbüro und schreibe Beiträge für und über Winzerla.

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