Die Landwirtschaft in Winzerla nach 1945

Die Landwirtschaft in Winzerla nach 1945

Jena Winzerla. Dietmar Schütze erzählt und schreibt selbst über die Geschichte von Winzerla in mehreren Serien. In diesem Beitrag geht es über die Landwirtschaft nach Kriegsende.
Das Ganze begann mit dem Wechsel der Besatzungsmacht. Die sowjetischen Besatzer sperrten als erstes alle ehemaligen Wehrmachtsangehörigen wieder ein, die aus westlicher Gefangenschaft kamen und derer sie habhaft werden konnten. Menschen wurden denunziert und als Nazi-Verbrecher nach Buchenwald gebracht. So zum Beispiel der Besitzer der Winzerlaer Käserei, Herr Rudloff. Sein Verbrechen: Er war der Eigentümer dieses Kleinstbetriebes und Kassierer der NSDAP-Ortsgruppe. Er hat es nicht überlebt. Anderen, die per Steckbrief als Kriegsverbrecher gesucht wurden, ist nichts passiert. Sie haben in aller Ruhe mit dem Staatsanwalt, der den Steckbrief veranlasst hatte, inmitten der Dörfler in der Gaststätte gezecht. Sie verschwanden später unbehelligt in die westlichen Besatzungszonen. Der nächste große Einschnitt war im Frühjahr 1960 die LPG-Gründung. Die Genossen hatten dazugelernt. Es gab in Winzerla ungefähr 30 landwirtschaftliche Betriebe. Die meisten waren im Nebenerwerb tätig und hatten, wie man so sagt, drei Hände Wind hinterm Haus. Die Inhaber waren alt und hatten nicht für das Alter vorgesorgt. Der Trick der Genossen war sehr einfach. Jeder der ein Jahr in der LPG arbeitet und natürlich seine Flächen zur gemeinsamen Bearbeitung einbringt, erhält die staatliche Mindestrente. Damit hatte man aber die großen leistungsfähigen Betriebe nicht im Sack. Hier ging man anders vor. Es gab „Probleme“ mit der Saatgutversorgung und der Düngung, d. h. es gab einfach keine Auslieferung. Der Schlachthof und die Molkerei hatten plötzlich Transportprobleme. Das Finanzamt kontrollierte die Bücher, genau zur Arbeitsspitze. Dazu kamen alle möglichen Propagandaaktionen in Zeitungen mit Namensnennung und sogenannte Aufklärer, die sich lautstark vor Höfen platzierten und die Bauern am Arbeiten hinderten. Dann wurde schließlich im Frühjahr 1960 die LPG Typ 1 „Trießnitz“ gegründet. Typ 1 bedeutete, nur die Äcker wurden gemeinsam bewirtschaftet. Die Familienbetriebe blieben bestehen. Das heißt, die Tierproduktion, die Wiesen, der Wald, die Obstflächen verblieben in der Hand der Eigentümer, jeder war selbst für sein Einkommen zuständig. Die Ackerflächen wurden nur gemeinsam bewirtschaftet, an den Eigentumsverhältnissen änderte sich nichts. Die LPG bestand in dieser Form bis zu ihrer Auflösung zum 30. November 1990. Sie war wirtschaftlich potent, brauchte keine staatlichen Kredite. Dadurch war sie in der Lage, allen Pressionen des Staates hin zum Zusammenschluss mit anderen, sozialistisch weiter entwickelten LPG`en zu widerstehen. In der Endzeit der DDR nahm sie sogar Beschaffungsfunktionen für die sozialistischeren Groß-LPG wahr. Sie war flexibler, war schuldenfrei. Die Großen zahlten in dem DDR typischen Tauschverfahren. Das war für diese Unternehmen am problemlosesten.

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