Angebote und Hilfen für Senioren

Angebote und Hilfen für Senioren

Vielfältige Angebote für Senioren

Interview mit der Altenhilfeplanerin Gabriela Pippart
Seniorenbüro und Pflegestützpunkt der Stadt sind in der Goethe-Galerie

Nein, sie sehe Winzerla nicht als einen besonders „alten Stadtteil“ an, sagt Gabriela Pippart, die in Jena in der Altenhilfeplanung tätig ist. Von etwas über 35.000 Menschen in Jena, die über 55 sind, kommen laut Statistik 5.878 Personen aus Winzerla. Ab diesem Alter rücken sie in den Fokus, als, wie Pippart sagt, Zielgruppe für „Hilfe in Vorbereitung auf das Alter“. In der Prognose bleiben die Zahlen nahezu konstant: 2025 werden 6.011 Menschen über 55 erwartet.
Für Personen in der nachberuflichen Lebensphase seien in Jena solide Strukturen geschaffen worden, sagt Gabriela Pippart. So gebe es in Jena ein Netz von Begegnungsstätten mit niederschwelligen Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten. In Winzerla ist das die Begegnungsstätte „Jung und Alt“ der Volkssolidarität in der Anna-Siemsen-Straße 1. „Wir wollen den Senioren nachberufliche Tätigkeitsfelder erschließen“, sagt Pippart. Möglich sei es etwa, sich zum Seniorenbegleiter ausbilden zu lassen oder beim Verein „Tausend Taten“ als „Pate für Demenz“. Weitere Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements würden vermittelt, sagt Gabriela Pippart. Als direkte Dienstleistung für Senioren gibt es in der Goethe-Galerie das Seniorenbüro, den Pflegestützpunkt und die Wohnberatung, die auch zu „Alter und Technik“ berät. Auf Wunsch erläutern die Berater Hilfsmittel, die das tägliche Leben erleichtern, etwa Handy, Laptop oder Smartphone. Auch Lichtberatung wird angeboten. Informationen: Seniorenbüro Telefon 3100092, Pflegestützpunkt Telefon 507660, Wohnberatung Telefon 507508.

Was tun für die Senioren im Stadtteil?

Ortsteilbürgermeister Friedrich-Wilhelm Gebhardt im Gespräch

Herr Gebhardt, wie sehen Sie die Situation alter Menschen in Winzerla?
In manchen Teilen Winzerlas haben wir eine gewisse Überalterung der Bewohner, weil viele Erstbezieher sind und ihre Wohnung nicht verlassen möchten. Das trifft vor allem auf die Eisler-, die Brecht-, die Weigel- und die Becher-Straße zu. Dass jedoch neulich ein Ortsteilrat von einem „sterbenden Stadtteil“ sprach, diese Ansicht kann ich nicht teilen.

Was muss getan werden, um den Senioren das Leben zu erleichtern?
Wir müssen schauen, wie sich das Wohnumfeld verbessern lässt. Um etwa der Hanglage Rechnung zu tragen, sollten im Außenbereich Bänke aufgestellt werden, wie es ja auch der Bürgerverein und der Ortsteilrat machen. Außerdem bin ich im Gespräch mit den Wohnungsunternehmen. Wo möglich, können Aufzüge installiert werden, auch finde ich die Idee mit dem Umzugsservice gut. Dabei wäre es wünschenswert, wenn die Kaltmiete in einer kleineren Wohnung nicht höher ausfällt als in der bisherigen Wohnung.

Wie steht es um die Anbindung durch den ÖPNV?
Hier sehe ich, dass die Linie 12 durchs Wohngebiet richtig gut angenommen wird. Das hilft älteren Menschen ungemein. Aber natürlich müssen wir immer wieder schauen, wo Bedarf besteht und gegebenenfalls nachsteuern.

Ältere Menschen neigen dazu, sich in ihre vier Wände zurückzuziehen …
Diesem Trend sollten wir etwas entgegensetzen. Ich denke, es ist gut, wenn wir Treffpunkte anbieten. Meine Hoffnung setze ich in ein Stadtteilzentrum, das wir in Winzerla errichten wollen. Dort könnten die verschiedenen Akteure einziehen, etwa das Stadtteilbüro oder die Bildungslücke. Es wäre ein Platz für ein Café oder kulturelle Veranstaltungen. (Die Fragen stellte Stephan Laudien)

„Ich bin ein lebenslustiger Mensch“

Die 81-jährige Ingrid Staude lebt in der Schomerusstraße 13
Wie leben alte Menschen in Winzerla? Fragt man Ingrid Staude, dann lautet ihre Antwort: „Ein bisschen beschwerlich, ja, aber ich bin ein lebenslustiger Mensch!“ Nun ja, hier und da zwicke es, sagt die 81-jährige Rentnerin, die in der Schomerusstraße 13 wohnt. Doch Ingrid Staude lässt sich nicht unterkriegen. Für gute Laune sorgt Sissy, ihre inzwischen 16-jährige Hündin. Früher hat Ingrid Staude gern gekocht und gebacken, außerdem liebte sie Handarbeiten. Wegen ihrer gesundheitlichen Einschränkungen geht vieles nicht mehr von der Hand. Doch sie hat sich – dank der Vermittlung von Silke Wittorek vom „Wohnexpress“ – mit Karin Bauernfeind angefreundet. „Karin kocht gern und wir plaudern dabei und essen anschließend gemeinsam“, erzählt Ingrid Staude. So werde auch ihre Tochter entlastet, die nicht so oft kommen muss, um nach dem Rechten zu sehen. Ingrid Staude wünschte sich ein oder zwei Bänke vorm Haus: „Da könnte man abends mal draußen sitzen oder sich Ausruhen, wenn man eine Runde gemacht hat.“ Ihre eigenen Runden dreht Ingrid Staude mit dem Rollator, etwa um Lotto zu spielen oder kleine Besorgungen im Viertel selbst zu machen. Wenn sie länger unterwegs ist, etwa beim Arzt, kümmert sich eine Nachbarin um Sissy. „Im Haus helfen sich viele Bewohner gegenseitig, das ist toll!“

Beratung zur wöchentlichen Sprechstunde

Das Sozialmanagement der WG „Carl Zeiss“ bietet Service an
Bei der WG „Carl Zeiss“ gibt es Angebote für die Mitglieder, die natürlich von den älteren Bewohnern der Häuser genutzt werden können. So arbeitet die WG mit dem „Wohnexpress“ WoX zusammen, die Kooperation läuft über das Sozialmanagement. Angeboten wird zudem ein Umzugsmanagement, wenn ein Bewohner eine andere Wohnung beziehen möchte. Möglich ist eine monatliche finanzielle Unterstützung für den Hausnotruf des DRK. Andrea Förster, die stellvertretende Leiterin der Abteilung Zentrale Dienste, sagt, dass es jeden Donnerstag von 8 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde in der Begegnungsstätte in der Ernst-Zielinski-Straße 18 gibt. Mit dabei von 8 bis 12 Uhr der Sozialarbeiter Steffen Böttge (boettge@wgcarlzeiss.de, Telefon 504213), von 8 bis 10 Uhr der Verein „Ein Dach für Alle“, der Hilfe und Beratung für Menschen in besonderen Lebenslagen bietet, sowie von 10.15 bis 12 Uhr der „Stromspar-Check“, Beratung rings um die Thema Energiesparen.

Hilfe beim Umzug und in der Wohnung

Sozialmanagement von „jenawohnen“ bietet umfangreichen Service
Die Wohnungsgesellschaft „jenawohnen“ bietet über 30.000 Menschen in 14.400 Wohneinheiten ein Zuhause. Natürlich werden dabei die Belange älterer Mieter in den Blick genommen. In der Sozialbroschüre sind die Angebote aufgelistet. Mit dabei: der Umzugsservice. Dabei werden Mieter unterstützt, die aus Alters- oder Krankheitsgründen in eine andere Wohnung ziehen möchten. Ein weiteres Betätigungsfeld sind Hilfen im Alltag, etwa wenn Sanierungsmaßnahmen im Haus anstehen. Wenn der Fahrstuhl nicht benutzbar ist, wird für bedürftige Mieter ein Einkaufs- und Trageservice organisiert. Einen Einkaufsservice bietet zudem der „Wohnexpress“ in Winzerla an.
Für ältere Mieter bietet „jenawohnen“ passende Hilfen im Alltag an. Das können Haltegriffe im Bad sein, ein Sitz in der Dusche oder abgesenkte Türschwellen. Damit sollen Komfort und Sicherheit erhöht werden.
Ein anderes, oft diskutiertes Thema ist der Wunsch nach Aufzügen. Wie Pressesprecher Gunnar Poschmann sagt, seien diese teuer und sie führten baubedingt zur Reduzierung von Wohnraum. Als Alternative komme hier der Umzugsservice in Frage. Ganz aktuell hat das „jenawohnen“-Sozialmanagement alle Mieter über 89 Jahre befragt, die Ergebnisse sollen in die Arbeit einfließen. Zudem gab es eine Mieterbefragung in Winzerla durch ein Team um Prof. Dr. Ulrich Lakemann von der Ernst-Abbe-Hochschule. Die Ergebnisse werden im Ortsteilrat vorgestellt. Service-Telefon Sozialmanagement: 884 220.

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