70 Jahre Kriegsende und die amerikanische Besatzung in Winzerla

70 Jahre Kriegsende und die amerikanische Besatzung in Winzerla

Jena Winzerla. In DDR wurde das amerikanische Intermezzo totgeschwiegen. Dabei blieb es bis zum heutigen Tag nicht folgenlos.Im April 1945 überrannte die 3. US-Armee, im Bestand der 12. amerikanischen Heeresgruppe, Kommandeur General George S. Patton, mit dem VIII und dem XII Chor Thüringen und Westsachsen, innerhalb von 16 Tagen. Ihr Vormarsch wurde wiederholt per Befehl von Gen. Eisenhower dem SCAEF, das ist der Oberkommandierende aller alliierten Streitkräfte in Europa gestoppt. Deshalb war die deutsche Kapitulation in Reims, am 7.Mai 1945, die einzig verbindliche Möglichkeit zur Beendigung der Kampfhandlungen. Die aus protokollarischen Gründen, auf Drängen Stalins, in Karlshorst durchgeführte Wiederholung (gleicher Text, gleicher Termin des Endes der Kampfhandlungen, nur ein sowjetischer General in Reims, kein Marschall) ist rechtlich gegenstandslos.
Am 11. April 1945 stießen die amerikanischen Truppen (4.US-Panzerdivision) den Esels Weg (heute Oßmaritzer Straße) herab und die Panzer fuhren links davon auf den Feldern auf. Im Gebiet der Flur Mittelweg, heute ungefähr dort wo die Hochspannungsleitung aus dem Boden kommt, war eine Flakstellung. Die Bedienung waren Luftwaffenhelfer. Hitlerjungen, die entsprechend der Haager Landkriegskonvention den Kombattantenstatus erhalten hatten.
Eine Flakbedienung gab einen Schuss auf die Panzer ab. Die Granate explodierte nicht. Die über dem Schlachtfeld kreisenden Jagdbomber machten kurzen Prozess. Das Ergebnis ist auf dem Winzerlaer Friedhof zu sehen.
Die Amerikaner sind dann quer Flur in den Ort eingerückt. Dabei wurde durch die Panzer die eine oder andere Mauer beschädigt. Eine alte, demente Dame kam zu Tode. Sie hatte mit ihrem Krückstock an der Gardine herumgefuchtelt.
Der Winzerlaer und Burgauer Volkssturm leistete keinen Widerstand. Der größere Teil (die ersten Aufgebote) waren per Bahn in Richtung Küstrin gebracht worden. Die sind dann alle in der Schlacht um die Seelower Höhen gefallen. Der letzte Rest war dann im Pennickental in Stellung gegangen. Als die Amerikaner aus dem Wald traten, hat der Kompanieführer, Hugo Schütze, die Volkssturmmänner antreten lassen. Er ließ die Gewehrschlösser ausbauen und separat von den Waffen vergraben. Er hatte nun als einziger eine einsatzbereite Waffe. Man konnte ja nicht wissen, ob einer durchdrehen und den Helden spielen wollte. Er hat sie nach Hause geschickt, verbunden mit der Warnung vor der SS. Er selbst hat im Wald gewartet, bis die Amerikaner über die Saale sind. Da war er sicher, die SS (6.SS-Gebirgsdivision) ist weg. Dann ist auch er nach Hause gegangen.
Die Amerikaner blieben bis zum 1.Juli 1945. Gemäß dem Jalta er Abkommens haben sie Thüringen und Westsachsen geräumt. Dabei haben sie Fachleute, Patente, Spezialmaschinen, technische Spitzenprodukte mitgenommen (auch tausende Tonnen Papier mit Patenten, Verfahrenshinweisen, Arbeitsplänen). Sie haben bei ihrem Abzug die nachrückenden sowjetischen Streitkräfte nicht gesehen. Die Lebensbedingungen der Bevölkerung haben sich in der Folge drastisch verschlimmert.

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