5. Erzählcafé mit Haifaa Shamouka

5. Erzählcafé mit Haifaa Shamouka
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Jena Winzerla. Ehe wir anfangen konnten, mussten wir noch Stühle hinzustellen. Fast 30 Besucher folgten der Einladung. Der Zuhörerkreis war bunt gemischt, neben „Einheimischen“ waren viele Gäste aus Syrien gekommen. Das hatte seinen guten Grund, denn Haifaa, die mit ihrer Familie in Winzerla wohnt, berichtete über ihr Leben und ihre Flucht von Syrien nach Jena. Aleppo, die zweitgrößte Stadt in Syrien, ist ihre Heimatstadt. Dort ist sie in einem traditionell geprägten Stadtteil aufgewachsen. Doch die muslimische Religion, wie sie sagt, hat keine große Rolle gespielt. In Aleppo hat sie auch ihren Mann kennengelernt und dort mit ihrer Familie bis zum Krieg gelebt. Vor zwei Jahren ist sie über die Balkanroute nach Deutschland gekommen. Ausgangspunkt war die Türkei, wo die Familie unter widrigen Arbeits- und Lebensbedingungen ihr Dasein fristete und schließlich den Entschluss fasste, nach Deutschland zu flüchten. Die Familie entschied sich, dass Haifaa alleine die Flucht nach Deutschland antritt. Ihr Mann sorgte sich aus Sicherheitsgründen in der Türkei um die Töchter. Die Flucht war abenteuerlich und vor allem gefährlich, zum einen dass sie auf der Flucht gefasst und zurückgeschickt werden konnte, zum anderen war das fortwährende Anheuern von Schleppern in jedem Land ein Lebensrisiko.
Die Familie harrte in Aleppo solange aus, bis kein Leben mehr möglich war, es kein Wasser und keinen Strom mehr gab und der Krieg immer näher rückte. Die Familie wollte stattdessen in der Türkei abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Doch bis heute sind die Verhältnisse instabil und die Stadt verwüstet. Das Wohnhaus der Familie ist ebenfalls zerstört.
Haifaa, die nach dem Schulabschluss als Buchhalterin in Aleppo arbeitete, absolviert momentan einen B2-Sprachkurs und will gerne wieder in ihrem Beruf arbeiten. Auf die Frage aus dem Publikum, ob sie sich vorstellen kann wieder nach Syrien zurück zu kehren, sagt sie, dass Deutschland für sie eine neue Heimat ist.
Das Erzählcafé war sehr kommunikativ, es wurden viele Zwischenfragen gestellt. Es entwickelten sich unter den Gästen Gespräche, die die Atmosphäre auflockerten und das Interesse der Zuhörer befriedigten. Ebenfalls wurde aus dem Publikum (von ihrer Cousine) bei Bedarf gedolmetscht und inhaltlich ergänzt.

über den Autor

Ich arbeite im Stadtteilbüro und schreibe Beiträge für und über Winzerla.

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