3. Erzählcafé mit Samvel Babayan – Vom Asylheim ins Asylheim

3. Erzählcafé mit Samvel Babayan – Vom Asylheim ins Asylheim

Jena Winzerla. Unser nächster Gast ist der aus Armenien stammende Samvel Babayan, der am 15.01. seinen 50. Geburtstag feierte. Auch diesmal wird es um Systemumbrüche und Diktaturen gehen. Herr Babayan ist kein Russlanddeutscher oder jüdischer Kontingentflüchtling. Sein Brückenschlag nach Deutschland bzw. in die DDR vollzieht sich 1988 als russischer Offizier. Bis 1992 ist er in Weißenfels stationiert. Danach wird er nach Altengrabow bei Magdeburg zur 10. Panzerdivision versetzt, die 1994 auf russisches Territorium zurückkehrt. Samvel Babayan ist nicht mit dabei. Er quittiert bereits 1993 den Dienst, er „kündigt“, wie er selbst sagt und ist erstaunt, dass seinem Wunsch entsprochen wird. Die Entlassungspapiere soll er in Tschetschenien abholen. Seine kleine Tochter ist blind und schwer krank. Der Militärdienst lässt ihm keinen Freiraum, sich um die Gesundheit seiner Tochter zu kümmern. Die Sorge um das Wohl der Tochter, der laut russischen Militärärzten keine hohe Lebenserwartung prognostiziert wird, begleitet ihn bis heute. Generell gestaltet sich sein Weg bis heute nicht einfach. Der Militärdienst war nicht seine erste Wahl, vielmehr wollte er Schauspieler werden. Im Militär sieht er eine gesicherte Zukunft. Doch dann kommt Gorbatschow und es folgt der Zusammenbruch der Supermacht. Babayan will in Deutschland bleiben. Er sieht für seine Familie, insbesondere für seine Tochter in Armenien keine Zukunft, wo Korruption herrscht und nur Geld, das er nicht hat, die Türen öffnet. Die kranke Tochter gibt der Familie schließlich eine Bleibeperspektive. Der Weg, bis ihm Asyl gewährt wird, ist abenteuerlich. Dann folgt eine Odyssee. Die Zeit im Asylheim am Stern im Jenaer Forst, der Umzug in eine eigene Wohnung, die Terrorisierung durch rechtsgesinnte Nachbarn in Winzerla, die vielen prekären Arbeitsverhältnisse und schließlich ein erneuter Umzug bringen ihn an seine körperliche und seelische Grenze. 2011 kehrt endlich Ruhe ein. Er wird Leiter der Gemeinschaftsunterkunft in der Schulstraße.

Das Erzählcafé findet am Donnerstag, dem 2. Februar um 18 Uhr in den Projekträumen der Grundschule Friedrich Schiller (Eingang an der Wasserachse) statt. Sie sind herzlich eingeladen.

Kontakt (Stadtteilbüro):
Julia Hartmann (Projektleiterin) und Andreas Mehlich (Moderation)
im Rahmen des Integrationsprojektes ELLi
Tel. 03641 354570
E-Mail: info@winzerla.com

über den Autor

Ich arbeite im Stadtteilbüro und schreibe Beiträge für und über Winzerla.

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